Wie schnell entlädt sich ein Akku bei Lagerung?

Du kennst das sicher. Du legst dein Smartphone, Laptop, E-Bike, den Akkuschrauber oder das elektrische Gartengerät für Wochen oder Monate weg. Vielleicht ist es die Winterpause beim Rasenmäher. Vielleicht steht das E-Bike im Schuppen. Oder du lässt ein Gerät im Auto liegen. Nach der Lagerung ist der Akku schwächer als erwartet. Manchmal ist er komplett leer. Das liegt nicht nur an der Nutzungsdauer. Hauptgrund ist die Selbstentladung. Das ist der Prozess, bei dem Akkus auch ohne Nutzung langsam an Ladung verlieren.

Mehrere Dinge beeinflussen das. Die Akkuchemie spielt eine Rolle. Auch Temperatur, Lagerzeit, Ladezustand und Alter haben Einfluss. Falsche Lagerung kann Kapazität dauerhaft reduzieren. Sie kann auch Sicherheitsrisiken erhöhen. Richtiges Lagern spart daher Zeit, Geld und Sicherheit. Du musst keine Angst haben. Mit einfachen Regeln bleibt die Batterie länger fit. Das hilft dir, Geräte sofort einsatzbereit zu haben. Du vermeidest Reparaturen oder Ersatzkäufe. Du reduzierst das Risiko von Schäden.

In diesem Artikel bekommst du praxisnahe Tipps, leicht verständliches Hintergrundwissen und klare Entscheidungshilfen. Die Anleitungen sind für technisch interessierte Einsteiger gedacht. Lies weiter. In den folgenden Abschnitten findest du konkrete Anleitungen und wichtige Sicherheitsinformationen zur Lagerung verschiedener Akkuarten.

Selbstentladung im Vergleich: Blei, NiMH und Li‑Ion

Bevor wir zu Zahlen kommen, kurz die wichtigsten Einflussgrößen. Temperatur beschleunigt chemische Prozesse. Höhere Temperatur bedeutet höhere Selbstentladung. Ladezustand beim Einlagern ist wichtig. Manche Akkutypen mögen halbe Ladung, andere sollten voll geladen werden. Alter reduziert die nutzbare Kapazität. Ältere Zellen entladen sich oft schneller. Der Innenwiderstand steigt mit Alter und Schädigung. Das führt zu stärkerer Selbstentladung und Wärmeentwicklung. Schließlich die eingebaute Selbstentladungsrate. Sie ist ein Stoffeigenschaft und variiert deutlich zwischen Akkuarten. Diese Faktoren zusammen bestimmen, wie schnell dein Akku bei Lagerung an Ladung verliert.

Übersichtstabelle

Akkutyp Typische Selbstentladungsrate pro Monat Empfohlener Lager-Ladestand (%) Ideale Lagertemperatur Hinweise / Anwendungsbeispiele
Blei-Säure (Säure, AGM, GEL) ca. 3–5 % bei 20 °C. Höher bei wärmerer Umgebung. 75–100 %; Erhaltungsladung empfohlen 0–15 °C (kühl, frostfrei) Starterbatterien, Rasenmäher, Solar-Backup. Vermeide tiefe Entladung. Regelmäßiges Nachladen beugt Sulfatierung vor.
NiMH (Standard / Low-SD) Standard: 15–30 %; Low-SD: ca. 1–5 % pro Monat ca. 30–50 % (bei längerer Lagerung) 0–15 °C (kühl, frostfrei) Akkuschrauber, Ersatzakkus, Haushaltsgeräte. Bei Standard-Zellen kurze Lagerzeiten planen. Low-SD-Zellen sind besser für längere Lagerzeiten.
Li‑Ion / Li‑Polymer ca. 2–3 % bei 20 °C; steigt mit Temperatur 40–60 %; ideal ca. 40–50 % 10–20 °C (kühl, trocken) Smartphones, Laptops, E‑Bikes, Powerbanks. Nicht lange bei 100 % lagern. Vollständige Tiefentladung meiden.

Die Zahlen sind Richtwerte. Temperatur und Zustand des Akkus können die tatsächliche Entladung deutlich verändern. Nutze die Tabelle als praktische Orientierung für die häufigsten Gerätetypen.

Grundlagen: Warum Akkus sich selbst entladen und wie Alterung wirkt

Selbstentladung

Unter Selbstentladung versteht man den Ladungsverlust, der auch ohne Nutzung auftritt. Er entsteht durch chemische Nebenreaktionen im Inneren der Zelle. Kleine Leckströme fließen innerhalb der Zelle. Verunreinigungen, aktive Materialreaktionen oder unvollständige Schutzschichten sind oft die Ursache. Das Ergebnis ist ein allmählicher Spannungsabfall und ein Verlust an nutzbarer Kapazität.

Chemische Prozesse in Kurzform

Jeder Akku-Typ hat eigene Reaktionen. Bei Li‑Ion etwa bildet sich die sogenannte SEI-Schicht. Sie schützt die Elektrode, verbraucht aber etwas Lithium. Das reduziert die Kapazität. Bei Blei-Säure führt Sulfatbildung auf den Platten zu weniger nutzbarer Fläche. NiMH-Zellen zeigen Materialveränderungen in der Elektrodenstruktur. Diese Prozesse sind normal. Sie laufen schneller bei ungünstigen Bedingungen.

Temperaturwirkung

Temperatur beeinflusst alle chemischen Vorgänge stark. Höhere Temperatur beschleunigt Nebenreaktionen. Damit steigt die Selbstentladung. Kälte verlangsamt die Reaktionen. Das spart Ladung. Zu tiefe Temperaturen können aber die nutzbare Kapazität vorübergehend verringern und empfindliche Elektronik belasten. Als Faustregel gilt: Wärme verkürzt die Lebensdauer deutlich.

Zyklenbedingte und kalendarische Alterung

Es gibt zwei Arten von Alterung. Die zyklische Alterung entsteht durch häufiges Laden und Entladen. Sie baut aktive Materialien ab. Die kalendarische Alterung passiert auch im Ruhezustand und hängt von Ladezustand und Temperatur ab. Beide führen zu Kapazitätsverlust und höherem Innenwiderstand.

Innenwiderstand und Nennkapazität

Die Nennkapazität gibt an, wie viel Ladung theoretisch gespeichert ist. Sie wird in Ah oder mAh angegeben. Mit Alter sinkt diese Zahl. Der Innenwiderstand beschreibt, wie stark die Zelle bei Stromabgabe Spannung verliert. Er wird in Milliohm gemessen. Ein höherer Innenwiderstand führt zu größerer Wärmeentwicklung und stärkerem Spannungseinbruch unter Last. Das bedeutet: Ein alter Akku liefert weniger Energie und wird wärmer bei Belastung.

Messgrößen in der Praxis

Kapazität misst man durch kontrolliertes Entladen. Innenwiderstand ermittelt man mit kurzen Stromstößen oder speziellen Messgeräten. Beide Werte geben Aufschluss über den Zustand der Batterie. Ein Akku mit deutlich reduzierter Kapazität und erhöhtem Innenwiderstand ist gealtert und sollte ersetzt werden.

Kurz zusammengefasst: Selbstentladung ist normal. Temperatur und Ladezustand steuern das Tempo. Alterung reduziert Kapazität und erhöht Innenwiderstand. Beides zusammen macht Akkus weniger leistungsfähig und kann die Einsatzbereitschaft beeinträchtigen.

Pflege und Lagerung: praktische Tipps

Kurz vor der Lagerung

Lade den Akku auf den empfohlenen Zustand. Bei Li‑Ion sind 40–50 Prozent ideal. NiMH lagert man mit etwa 30–50 Prozent. Blei‑Säure braucht 75–100 Prozent und eine Erhaltungsladung, wenn möglich.

Lagerort und Temperatur

Bewahre Akkus kühl und trocken auf, nicht in direkter Sonne oder neben Heizquellen. Ideal sind etwa 10–20 °C für Li‑Ion und NiMH und 0–15 °C für Blei‑Säure. Lege Akkus nicht direkt auf kalten Betonboden und vermeide Feuchtigkeit.

Während der Lagerung prüfen

Kontrolliere den Ladezustand in sinnvollen Intervallen. Li‑Ion einmal alle sechs Monate prüfen und bei Bedarf nachladen. NiMH alle 4–8 Wochen messen. Blei‑Säure sollte monatlich kontrolliert und gegebenenfalls nachgeladen oder an ein Erhaltungsgerät angeschlossen werden.

Längere Lagerzeiten

Für sehr lange Lagerzeiten entferne Akkus aus Geräten und verpacke sie getrennt. Nutze geeignete Schutzgehäuse und lagere Lithium‑Akkus nicht in voller Ladung. Bei Blei‑Säure sind Erhaltungslader wichtig, sonst drohen Sulfatierung und dauerhafter Kapazitätsverlust.

Wiederinbetriebnahme

Lasse den Akku vor dem ersten Laden auf Raumtemperatur kommen. Prüfe Sichtprüfung, Spannung und gegebenenfalls Innenwiderstand. Lade dann langsam nach Herstellerangaben und achte auf ungewöhnliche Wärme oder Geruch.

Schritt-für-Schritt: Akku sicher für mehrere Monate lagern

  1. Gerät ausschalten und Netzstecker ziehen Stelle sicher, dass das Gerät komplett ausgeschaltet ist. Trenne alle externen Stromquellen und entferne Zündschlüssel oder Sicherungen, wenn vorhanden.
  2. Akku fachgerecht entnehmen Nimm den Akku nach Bedienungsanleitung aus dem Gerät. Bei E‑Bikes oder Rasenmähern folge den Verriegelungen und trage bei Bedarf Handschuhe.
  3. Ladezustand einstellen Stelle den Ladezustand auf den empfohlenen Wert. Für Li‑Ion sind 40–50 Prozent ideal. NiMH etwa 30–50 Prozent. Blei‑Säure voll laden und bei längerer Lagerung an einen Erhaltungslader anschließen.
  4. Akku auf Schäden prüfen Untersuche das Gehäuse auf Risse, Verformungen, Ausbeulungen oder Flüssigkeitsaustritt. Wenn der Akku aufgebläht ist, stark korrodiert oder ungewöhnlich riecht, nicht lagern und fachgerecht entsorgen.
  5. Kontakte säubern und schützen Reinige Kontakte mit einem trockenen Tuch oder etwas Isopropylalkohol auf einem Wattestäbchen. Trockne gründlich. Schütze die Kontakte mit einer Plastikkappe oder nicht leitendem Klebeband vor Kurzschlüssen.
  6. Sicher verpacken Lege Akkus einzeln in nichtleitende Behälter oder die Originalverpackung. Vermeide Metallbehälter. Halte Akkus getrennt von brennbaren Materialien und entferne lose Werkzeuge.
  7. Lagertemperatur und Ort wählen Wähle einen kühlen, trockenen Ort ohne direkte Sonneneinstrahlung. Zieltemperatur für Li‑Ion und NiMH: etwa 10–20 °C. Blei‑Säure besser zwischen 0 und 15 °C. Lagere nicht direkt auf kaltem Betonboden.
  8. Beschriften und Datum notieren Vermerke Ladezustand und Lagertag auf dem Akku. Das hilft bei späteren Kontrollen und verhindert unnötige Prüfzyklen.
  9. Regelmäßige Kontrollen planen Prüfe Li‑Ion alle sechs Monate und bei Bedarf nachladen. NiMH alle 4–8 Wochen messen und nachladen. Blei‑Säure monatlich kontrollieren und an einen Erhaltungs­lader anschließen, wenn verfügbar.
  10. Vor der Wiederinbetriebnahme sicher prüfen Lasse den Akku auf Raumtemperatur kommen. Prüfe Sichtzustand, Spannung und beim Zweifeln Innenwiderstand oder Ladeverhalten. Lade dann langsam nach Herstellerangaben und achte auf ungewöhnliche Wärme oder Geruch.

Wichtige Warnung: Wenn ein Akku aufgebläht ist, Rauch entwickelt, stark erwärmt oder ausläuft, berühre ihn nicht mit bloßen Händen. Bewahre ihn getrennt auf, entferne Zündquellen und entsorge ihn gemäß den örtlichen Vorschriften.

Häufige Fragen zur Selbstentladung

Wie viel Prozent verliert ein Lithium‑Ionen‑Akku pro Monat?

Bei rund 20 °C verliert ein Lithium‑Ionen‑Akku typischerweise etwa 2–3 % pro Monat. Steigende Temperaturen erhöhen die Rate deutlich. Ältere oder stark beanspruchte Zellen entladen sich schneller. Nutze diese Zahl als groben Richtwert, nicht als festen Wert.

Sollte ich Akkus voll oder halb geladen lagern?

Das hängt vom Typ ab. Für Li‑Ion sind etwa 40–50 % ideal. NiMH lagert man üblicherweise bei 30–50 %. Blei‑Säure dagegen sollte voll oder nahe voll gelagert werden und erhält eine Erhaltungsladung.

Wie beeinflusst Kälte die Selbstentladung?

Kälte verlangsamt chemische Nebenreaktionen und damit die Selbstentladung. Das heißt: bei kühler Lagerung geht weniger Ladung verloren. Zu tiefe Temperaturen können jedoch die nutzbare Kapazität zeitweise senken und Elektronik belasten. Lasse Akkus vor dem Laden wieder auf Raumtemperatur kommen.

Wie oft sollte ich im Lager nachladen?

Das variiert nach Akkutyp und Temperatur. Als Faustregel prüfst du Li‑Ion alle sechs Monate und lädst bei Bedarf nach. NiMH kontrollierst du alle 4–8 Wochen. Blei‑Säure braucht monatliche Kontrolle oder ein Erhaltungsgerät.

Kann ein Akku durch Lagerung beschädigt werden?

Ja, falsche Lagerung kann dauerhafte Schäden verursachen. Hohe Temperaturen, zu lange voller oder leerer Zustand und mechanische Beschädigung führen zu Kapazitätsverlust oder Ausfall. Regelmäßige Sichtprüfung und Messungen helfen, Probleme früh zu erkennen.

Sicherheitswarnungen bei Lagerung von Akkus

Hauptgefahren

Brandgefahr: Akkus können sich überhitzen und in Brand geraten. Besonders Lithium‑Ionen‑Zellen können ein thermisches Durchgehen entwickeln. Auslaufen und Korrosion sind bei beschädigten Blei‑Säure‑Zellen ein weiteres Risiko. Kurzschluss führt zu starker Wärmeentwicklung und Funkenbildung.

Konkrete Schutzmaßnahmen

Lagere Akkus getrennt von brennbaren Materialien wie Papier, Textilien oder Lösungsmitteln. Schütze die Kontakte mit Kappen oder nicht leitendem Klebeband. Bewahre Zellen in nicht leitenden Behältern auf. Halte Lagerorte trocken und gut belüftet. Vermeide hohe Temperaturen, direkte Sonne oder heiße Räume.

Keine defekten Akkus

Beschädigte Akkus niemals lagern. Blähungen, Risse, Auslaufen, starker Geruch oder ungewöhnliche Wärme sind klare Ausschlusskriterien. Solche Zellen isoliert aufstellen, Abstand zu anderen Akkus halten und die lokale Entsorgungseinrichtung kontaktieren.

Praktische Hinweise

Entferne Akkus aus Geräten vor langer Lagerung. Vermeide lose Lagerung in Hosentaschen oder Werkzeugkoffern. Transportiere und lagere Lithium‑Akkus wenn möglich in der Originalverpackung oder in speziellen Sicherheitsbehältern.

Verhalten im Brandfall

Bei Rauch oder Feuer sofort Personen entfernen und Feuerwehr rufen. Lösche nur, wenn du sicher bist und ein geeignetes Löschmittel verfügbar ist. Für kleine Brände können Löschdecke oder ein ABC‑Pulverlöscher eingesetzt werden. Versuche nicht, eine stark brennende Zelle selbst längere Zeit zu kühlen oder zu verschieben.

Merke: Prävention schützt am besten. Saubere, kühle und getrennte Lagerung reduziert Risiko deutlich.